Braille für Textilien

Der normale Alltag stellt viele sehbehinderte Menschen vor zahlreiche Probleme. Um diese zu meistern, werden ständig kreativen Ideen für neue Blindenhilfsmittel benötigt. Dank eines neuen, patentierten Verfahrens ist es jetzt möglich mit ZSK-Stickmaschinen, Texte und Symbole in Blindenschrift auf Textilien zu sticken. Dies erleichtert vielen Sehbehinderten die Orientierung im alltäglichen Leben.

Blinde Frau vor Ihrem Kleiderschrank

Gestickte Hinweise helfen bei der Auswahl der Kleidung

Die Wahl des Outfits ist für viele Blinde ein wichtiges Thema. Obwohl sie weniger sehen als andere, sind sie sich doch stets dessen bewusst, dass sie selbst oft gesehen und beobachtet werden. In diesen Situationen ist es sehr wichtig, sich auf das Outfit verlassen zu können. Bei der Auswahl der Kleidung benötigen Blinde stets die Hilfe anderer. Mit gestickten Hinweisen auf der Kleidung sind Blinde jetzt in der Lage, diese Situation alleine zu bewältigen. Sie sind nicht mehr auf die Verwendung von ungenauen und teuren technischen Hilfsmitteln, wie Farb- oder Barcode-Scannern angewiesen. Auch das Aufbringen von Unterscheidungsmerkmalen aus nicht-textilen Materialien, wie z.B. Alu- oder Kunststoffplättchen entfällt. Diese beeinträchtigten den Tragekomfort und die Pflege der Textilien. Außerdem bestand stets die Gefahr, dass diese Fremdmaterialien das Textil in Waschmaschine oder Trockner beschädigen.

Braille für die Massen

Es wurde bereits oft vergeblich versucht, Braille zuverlässig industriell zu sticken. Das Problem, das Trägermaterial beim Besticken zu sehr zu durchlöchern oder zu zerstören, wurde erst durch die Zusammenarbeit der ZSK Stickmaschinen GmbH mit der Kampmann International GmbH gelöst. Mit dem neu entwickelten Verfahren, wird das zu bestickende Kleidungsstück geschützt und die Höhe der Punkte bleibt auch nach unbeabsichtigtem Überbügeln erhalten. Eine Erhabenheit von min. 0,4 mm garantiert eine sichere Lesbarkeit.

Prämiertes Verfahren der Kampmann International

Jürgen und Eveline Kampmann bei der Preisverleihung zum

Jürgen und Eveline Kampmann

Dieses Stickverfahren wurde von der Firma Kampmann International patentiert und ist derzeit nur mit ZSK-Maschinen und -Software umsetzbar. Die Firma Kampmann International, die sich auf Stickerei und Produktveredelung spezialisiert hat, wurde für die Entwicklung dieses Verfahrens bereits mehrfach ausgezeichnet. Zu den Preisen gehören der „TecStyle Brand Award 2011“, der „Innovationspreis der deutschen Wirtschaft 2011“ und der „Promotional Gift Award 2013“. Im Jahre 2011 waren sie unter den Finalisten des „Braille 21 Innovation Award“ der Weltblindenunion, die innovative Braille-Erfindungen honoriert, die Zugänglichkeit und Bezahlbarkeit weltweit ermöglichen. Diese Auszeichnungen zeigen den großen Nutzen dieser Idee für die Gemeinschaft der Sehbehinderten. „Die Idee, die als Blindenschrift bekannte Brailleschrift stickbar und so für sämtliche Textilien als Trägermaterial verwendbar zu machen, kam mir aufgrund eines zufällig mitgehörten Gesprächs auf der didacta 2010 in Köln. Eine Mutter schilderte Vertretern einer Blindenschule ihr Problem, dass ihr nichtsehendes Kind oftmals Sportbekleidung der Mitschüler mit nach Hause bringt, da die Sachen in der Umkleidekabine unbemerkt vertauscht würden“, so Jürgen Kampmann.

Braille im großen Maßstab

Handtuecher mit ZSK Logo

Braille kann nun auch im industriellen Maßstab gestickt werden.

Mit der innovativen Methode, Braille industriell zu sticken, eröffnen sich völlig neue Möglichkeiten. Wo früher mühsam einzelne Kleidungstücke individualisiert wurden, um z. Bsp. dem Blinden oder stark Sehbehinderten das Erkennen der eigenen Kleidung zu erleichtern, besteht jetzt die Möglichkeit, mit geringem Aufwand und auch bei Bedarf in großem Umfang Textilien mit Braille besticken zu lassen. Dies bietet völlig neue Möglichkeiten für Designer, die ihre Kleidung direkt für den Verkauf an Blinde bzw. deren Angehörige entwickeln können. Die Individualisierung und Kennzeichnung von Kleidung und anderen Textilien, wie Bettwäsche, Handtüchern oder Taschen wird in vielen Bereichen angewandt. Dazu gehören Sport- und Berufsbekleidung, aber auch das Hotel- und Gastgewerbe. Die Herstellung von speziellen Werbeartikeln für Blinde oder die Verwendung in Krankenhäusern zeigen die vielfältigen Möglichkeiten. Das Aufbringen von Unterscheidungsmerkmalen oder Pflegehinweisen bietet zahlreiche Gelegenheiten, den Alltag in Beruf und Freizeit für Sehbehinderte, sowie den Zugang zum öffentlichen Leben durch mehr Selbstbestimmtheit zu erleichtern.

Abbau von Barrieren

Durch die größere Unabhängigkeit verbessert sich die Barriere-Freiheit für Blinde stark. Diese wird durch zahlreiche Entschlüsse und gesetzliche Grundlagen von UN und EU gefordert und führt zu einer höheren Lebensqualität der durch ihre Behinderung benachteiligten Menschen.

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